JOHOTRALLALA!

-eine Provinzposse nach Webers "Freischütz"-


JOHOTRALLALA!

Seit seiner Uraufführung im Jahre 1821 wird Webers "Freischütz" immer wieder als "erste deutsche Nationaloper" gepriesen. So schreibt die Allgemeine Musikalische Zeitung im April 1843: "Kind's und Weber's Freischütz ist aber auch eine echt deutsche Oper. Ja, man kann in gewisser Hinsicht sagen, sie hat in sich selbst die erste in jeder Beziehung rein deutsche Nationaloper hingestellt. Die älteren Erscheinungen im Gebiete der deutschen Oper […] hatten fast alle irgendetwas Fremdartiges, Nichtdeutsches an sich, sei es in der Musik oder in den Büchern."

Nun, was auf dem Sockel steht, wird auch angepinkelt, das ist nun mal so, noch dazu, wenn es derart teutonisch daherkommt, mit Waldeslust und Eichengrün, mit Manneskraft und Weibertreu, mit Vaterland und Tod und Teufel. Dabei geht anpinkeln noch - wer sich daran erinnert, wie im Irak-Krieg Saddam-Hussein-Standbilder vom Sockel gestoßen wurden, ahnt, dass das Spaß machen muss.

Es ist aber auch kein Wunder: Pausenlos tritt uns etwas in den Weg, mit einer ausgeklügelten, strahlenden Fassade, mit einer Botschaft, die in uns etwas auslösen, uns zu etwas bewegen soll. Wer sich nicht darauf beschränkt, einem solchen Phänomen gegenüberzustehen, sondern den Weg verlässt und ein paar Schritte nach links oder rechts macht, der wird schnell immun gegen alle Überredungskünste - er sieht das Ding von der Seite, sozusagen in Unterhosen, er erkennt jetzt, wie es funktioniert, er versteht den Mechanismus. Und da regt sich eine diebische Lust, mal hier einen Splint zu ziehen, da ein Hebelchen umzulegen, ein Ventil zu öffnen vielleicht, und dann zuzuschauen, wie sich die Fassade verändert…

So ist vielleicht unser Herangehen ans deutsche Opernheiligtum am besten beschrieben. Ein Zusatz noch: auf der Bühne haben wir wieder ein frisches, überaus kompetentes Sängerensemble, an den Instrumenten vier ausgebuffte Musikanten, und im Nacken sitzt uns das, was dort sitzen muss: der Schalk.

 


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